Warum Knochenleim?

Ich verwende fast ausschließlich Glutinleime, d.h. Knochenleim, Hautleim, Fischleim.

Warum? Weil dieser Leim früher verwendet wurde und aus restauratorischer Sicht gesehen das Mittel der Wahl ist und weil Glutinleim gegenüber synthetischem Weißleim viele Vorteile hat. Er ist elastischer und füllt auch kleine Fugen. Der größte Vorteil liegt darin, dass er reversibel ist. Man kann z.B. fehlerhaft ausgeführte oder alte Leimverbindungen durch Erhitzen lösen und erneuern. Auch verbinden sich evtl. noch vorhandene alte Leimreste mit neuem Leim und man muss bei einer Neuverleimung den alten Leim nicht komplett entfernen, so wie es bei Weißleim der Fall ist. Weißleim, der ja nichts anderes ist, als thermoplastischer Kunststoff, hat meiner Meinung nach auf alten Möbeln nichts zu suchen.

Knochenleim wird aus den Knochen der unterschiedlichsten Tiere gewonnen. Dabei überwiegen die Knochen von Nutztieren, wie z. B. Schweinen, Rindern, Schafen und Pferden. Für Hautleim werden Häute unterschiedlicher Tiere, für Hasenleim vorrangig Häute von Hasen, Kaninchen und verwandten Kleintieren verwendet. Fischleim wird aus Fischabfällen hergestellt, Hausenblasenleim aus den Schwimmblasen von Hausen.

Zum Thema Stühle

Meine Philosophie zum Thema Stühle

Stühle sind meine Leidenschaft – das habe ich ja in den Genen, da meine Familie mütterlicherseits den beruflichen Schwerpunkt Schreiner hatte und der Name Stuhler ja auch alles sagt…

Seit vielen Jahren beschäftige ich mich mit Stühlen und in meiner Sammlung befinden sich vorwiegend alte, aber auch neuere Stühle. An jedem Stuhl gibt es etwas, das mit gefällt – und wenn es nur der Sitzkomfort ist – irgendetwas Gutes finde ich immer. Ich repariere seit vielen Jahren Stühle, alte Stühle werden von mir nur mit Glutinleimen (Knochenleim, Hautleim, Fischleim) verleimt. In meiner Sammlung befinden sich inzwischen mehr als 200 Stühle.

Klare, schlichte Formen, schöne Furnierarbeiten, Obsthölzer, wie Kirsche oder Birne, aber auch Nußbaum gehören zu meinen Favoriten. Dann noch in Schellack eingelassen oder poliert – eine Augenweide. Jedoch hat jeder Stuhl seine Schwachstellen.

Allein aus Wertschätzung der Schreinerarbeit gegenüber, sollte ein Stuhl, der handwerklich gut gefertigt ist, erhalten werden. Wer billig will, muss ins Möbelhaus für die Massen gehen. Da sind die Stühle alle maschinell gefertigt, die Verbindungen verschraubt oder bestenfalls verdübelt und halten dann ein paar Jahre. Kein Leben und keine 100 Jahre.

Da ich in England aufgewachsen bin, habe ich eine gewisse Affinität zu Großbritannien und vor Kurzem fing ich an, mich mit den Welsh stick chairs zu beschäftigen und meine Faszination für die Fertigung und Eleganz und vor allen Dingen der Haltbarkeit und Stabilität dieser Stühle ist nicht nur geweckt – ich bin komplett hingerissen und begeistert. Sie werden nach wie vor seit hunderten von Jahren komplett von Hand gefertigt.
Englische Landhausstühle sind auch sehr stabil und robust. Irgendwann baue ich dann meine eigenen Stühle 😉

Wie pflege ich Stuhlgeflecht?

Stuhlflechtrohr

Sobald Ihre Stuhlgeflechte erneuert wurden, liegt Ihnen sicher viel daran sie möglichst lange zu erhalten. Ausschlaggebend sind der richtige  Standort und natürlich der Umgang mit den Möbeln.

Stellen Sie Rohrmöbel nie in heiße, trockene und sonnige Räume oder in die Nähe eines Heizkörpers. Trockene Hitze macht das Rohr spröde. Besonders im Winter leidet es unter der trockenen Heizungsluft.

Da das Material aus den Tropen kommt (Indonesien) ist es ein feuchteres Klima gewöhnt. Ein konstant nicht zu trockenes Raumklima tut gut. Versuchen Sie Sitzkissen z verwenden. Das verlängert die Lebenszeit des Geflechts.

Punktuelle Belastungen, wie z.B. durch Knien oder den Stuhl als Leiter zu nutzen sollten unbedingt vermieden werden. Falls das Geflecht schmutzig wird, kann es mit einem nassen Schwamm oder Tuch gereinigt werden.

 

Pflege antiker Möbel

Standort

Grundsätzlich steht an erster Stelle immer die Klimatisierung der Räume, in denen die Möbel aufgestellt wurden. Alte Möbel sind für andere Räumlichkeiten gebaut worden, als die, die wir heute bewohnen. Früher waren die Zimmer gar nicht oder nur unregelmäßig beheizt und dann auch nur mit Ofen- oder offener Befeuerung. Sie standen in  feuchteren, kalten Räumen, mit einer Luftfeuchtigkeit von 50 – 70 %.

Heutige, zentralbeheizte Wohnräume dagegen, sind gleichmäßig und dauerhaft beheizt und erreichen nicht selten nur Luftfeuchtigkeitswerte von 35 – 20/22 %. Die Massivholzkonstruktion antiker Möbel reagiert darauf mit Trockenrissen, Furnierblasen und Zersetzung des damals verwendeten Knochenleims. Nun kann man deshalb nicht wieder auf die moderne Heizung verzichten, aber man kann mit Hilfe kleiner Wasserschälchen unter den Möbeln oder an den Heizkörpern und eventuell durch Luftbefeuchter die relative Luftfeuchtigkeit im Raum erhöhen – was im Übrigen auch für Ihr eigenes, körperliches Wohlbefinden angenehmer ist.

Pflege

kirschbaumfurnierHäufig werden wertvolle Möbel regelrecht „kaputtgepflegt“, durch falsche Reinigung – meist feucht und gründlich, aus dem Bedürfnis, dem Holz „Nahrung“ zu geben – obwohl es durch einen Überzug abgesperrt ist, oder durch die handelsüblichen „Poliermittel“.

Die Oberflächen bei antiken Möbeln bestehen aus natürlichen Harzen und/oder Wachsen. Diese sind nicht so belastbar wie moderne Lacke. Vermeiden Sie Alkohol- und Wassereinwirkung. Falls doch einmal etwas verschüttet wird, den Fleck sofort trockenwischen.

Zur regelmässigen Reinignung des Möbels reicht ein Staublappen oder nebelfeuchtes Tuch (kein Microfaser).  Bitte benutzen sie keine handelsüblichen Möbelpolituren, Öle oder Wachse, da diese die Oberfläche anlösen können und/oder verschmieren können.

Etwas schwieriger ist die Pflege antiker Möbel mit einer Schellackpolitur. Am besten verwenden Sie zum Reinigen einen schlichten Staublappen. Stellen Sie keine metallischen Objekte oder Blumentöpfe auf die Möbel. Verwenden Sie immer eine Filzunterlage. Ist der Schellack jedoch beschädigt, helfe ich Ihnen gerne die Schäden zu beseitigen.

THONET – die älteste Möbelmarke der Welt

Michael ThonetAls Tischlermeister MICHAEL THONET um 1830 seine ersten Stuhlentwürfe aus gebogenem Schichtholz präsentierte, hatte er fast 10 Jahre mit neuartigen Holzbiegetechniken experimentiert. Mit dem WIENER CAFEHAUS-STUHL (Stuhl Nr. 14) von 1859 gelang ihm der Durchbruch zur industriellen Fertigung. Für THONET bedeutete dies den Aufstieg zum Weltunternehmen.

Ab 1930 nahm sich das Unternehmen auch der Herstellung von Möbeln aus gebogenem Stahlrohr, darunter dem freischwingenden, hinterbeinlosen KRAGSTUHL, an und verhalf dank seines Rufes als Produzent von preiswerten, qualitativ hochwertigen Möbeln den Entwürfen von MART STAM, LUDWIG MIES VAN DER ROHE und MARCEL BREUER zu Weltruhm.

Heute fertigt Thonet in fünfter Generation neben den bekannten Klassikern aus BUGHOLZ und STAHLROHR zahlreiche Wohn- und Arbeitsmöbel. Die Liste der für das Unternehmen tätigen Architekten und Designer ist lang.

Mit seinen richtungsweisenden Produkten, vor allem aber dank des mittlerweile 150-jährigen bestehenden Stuhles Nr. 14, ist der Name Thonet längst unsterblich geworden.

Thonet Cafehaus Stuhl Nr. 14 (1859)

Thonet Freischwinger S32 , Marcel Breuer (1929/1930)

Thonet Freischwinger S32 , Marcel Breuer (1929/1930

Stuhl Nr. 14

Thonet Stuhl Nr. 14

Thonet Stuhl Nr. 14

„Der „Stuhl Nr. 14“, heute Modell 214, gilt als der traditionelle Stuhl für Wiener Kaffeehäuser und ist das meist produzierte Sitzmöbel der Welt, zudem eines der erfolgreichsten Industrieprodukte überhaupt. Bis 1930 wurde der Stuhl bereits 50 Millionen mal verkauft. Er verkörpert alle Vorteile der neuen Bugholztechnik: Formschönheit, Funktionalität, Materialersparnis, Erschwinglichkeit und Haltbarkeit. Der Stuhl wurde nach dem Bausatz-Prinzip in Einzelteilen als flaches Paket in alle Welt ausgeliefert und erst vor Ort montiert. Die Verbindung der gebogenen Teile erfolgte durch Verschraubung und nicht wie sonst üblich mit Leim.
Der Stuhl, dessen Rückenlehne schlicht von zwei gebogenen Holzstäben gebildet wird, besteht aus einer minimalen Anzahl an Teilen – nämlich sechs – plus 10 Schrauben und zwei Muttern. Michael Thonet reduzierte Form und Material, bis keine Verbesserung mehr möglich war, um ihn mit dem geringsten Fertigungsaufwand herzustellen. (Quelle Wikipedia)

Der Stuhl Nr. 14 kann seinen Erfolg wahrscheinlich auf sein zeitloses, schlichtes und elegantes Design zurückführen, das seit 150 Jahren kaum verändert wurde und sich elegant jeder Einrichtung einpasst.

Holzwurm

Es war eine Schnupftabakdose, die hatte Friedrich der Große, sich selbst geschnitzt aus Nußbaumholz und drauf war sie natürlich stolz.
Da kam ein Holzwurm gekrochen. Der hatte Nußbaum gerochen.

Die Dose erzählte ihm lang und breit von Friedrich dem Großen und seiner Zeit.
Sie nannte den alten Fritz generös, da aber wurde der Holzwurm nervös. Und sagte, indem er zu bohren begann: „Was geht mich Friedrich der Große an ?“

( Joachim Ringelnatz )

Gemeiner Nagekäfer - Quelle Wikipedia

Gemeiner Nagekäfer – Quelle Wikipedia

Der Anblick von kleinen Löchern in den schönen antiken Möbeln erfüllt den Besitzer oft mit Schrecken.

Am häufigsten ist der „Gewöhnliche Nagekäfer“ Anobium punctatum anzutreffen, im Volksmund auch Holzwurm genannt. Sichtbare Hinweise auf einen akuten Befall sind die hellen Ausflugslöcher ( Ø 2 mm ) der Käfer und /oder das herabfallende Bohrmehl, das sich auf waagerechten Stellen am Möbel pyramidenförmig aufhäuft.

In der Regel werden die kleine Käferlarven erst unter guten Bedingungen aktiv. Das heißt bei einer Holzfeuchtigkeit von mindestens 10 %. Da die bei Möbeln in zentral geheizten Räumen oft die Holzfeuchte nicht erreichen, kann man über Jahre Holzwurmgeläge in dem Möbel haben ohne, dass die Larven aus den Eiern schlüpfen. Wenn sie erst mal aktiv sind wird eine Holztrocknung aber wenig helfen.

Aktiven Befall erkennt man daran, dass die Löcher hell sind und kleine Häufchen Bohrmehl unter den Möbeln liegen. Dann solte man auch bald etwas dagegen unternehmen, sonst schlüpfen die Larven und legen womöglich in andere Möbel Eier und das befallene Möbelstück ist bald so zerfressen, dass man es nur noch entsorgen kann.

Die Behandlung von Holzwurm kann auf verschiedene Weise geschehen. – Gas, Wärme, Gift, wobei die chemische Keule mit Pestiziden am wenigsten effektiv ist, weil das Gift oft nicht tief genug ins Holz eindringt – außerdem ist es natürlich nicht gesund.

Schellack

Was ist Schellack?

SchellackflockenSchellack ist ein altbekannter Lackrohstoff, der seit Jahrhunderten in Gebrauch ist. Er wird aus den Ausscheidungen der Schellacklaus in Indien hergestellt. Bei der Ernte hat er einen Anteil von 2 – 3 % Wachs. Schellack wurde auch in der Malerei, im Geigenbau, als Siegellack und zur Herstellung von Grammophonplatten verwendet.

Traditionelle Schellackhandpolitur:

Die Schellackhandpolitur ist die Königsklasse unter den traditionellen Oberflächen. Sie setzt viel Erfahrung und Können voraus. Mit Hilfe eines Polierballens mit Leinenüberzug tief in die Poren des Holzes eingerieben und dann Schicht für Schicht aufgebracht.

Die Schellackpolitur ist nicht nur ein zeitaufwendiger Vorgang, sondern bedarf ebenso einer erfahrenen Hand, da es sich um einen Veredelungsprozess handelt, der durch die eingesetzten Materialien äußerst sensibel ist.

Da die Schellackpolitur erst nach 1800 eine weitere Verbreitung erfuhr, ist es nicht authentisch, Barockmöbel – oder gar noch ältere – bei der Restaurierung mit einer Schellackoberfläche zu versehen. In das Holz dieser Möbelstücke wird ein spezielles Wachs eingerieben, das dann auspoliert wird. Die Restaurierung von Biedermeier-, Gründerzeit-, und Jugendstil-Möbeln sowie von Phonographen- und Grammophon-Gehäusen einschließlich Holzradios bis zum Zweiten Weltkrieg mit Schellack ist dagegen grundsätzlich richtig.

Schellackpolierte Oberflächen wirken trotz ihres Hochglanzes stets nobel und elegant unaufdringlich, nie hart und unnatürlich – wie beispielsweise mit Nitrozellulose oder Kunstharzpräparaten erzeugte Oberflächen.
Sie haben einen unvergleichlich sanften, weichen und „warmen“ Glanz.

Für Allergiker ist eine Schellackpolitur in aller Regel ideal. Für mich ist es die schönste Art Holz zu veredeln und die Lebendigkeit der Maserung hervorzuheben.